🔄️ OMIDA-Modell
Worum geht's? Jede Gruppe verändert sich mit der Zeit – so wie ihr euch in einer neuen Klasse erst beschnuppert und später eine feste Clique seid. Das OMIDA-Modell zeigt fünf Phasen, die eine Gruppe dabei meistens durchläuft.
Kontext
Der Name OMIDA setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der fünf Phasen zusammen: Orientierung, Machtkampf, Identität/Intimität, Differenzierung, Abschied. Das Modell wird in der Juleica-Ausbildung genutzt, damit du als Gruppenleiter:in merkst, in welcher Phase deine Gruppe gerade steckt – und was sie dann von dir braucht.Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Grundidee stammt vom US-amerikanischen Psychologen Bruce Tuckman. Er hat 1965 vier Phasen beschrieben (auf Englisch: forming – storming – norming – performing, also "sich formen – streiten – Regeln finden – gut zusammenarbeiten"). 1977 hat er zusammen mit Mary Ann Jensen eine fünfte Phase ergänzt: das Ende einer Gruppe (adjourning). OMIDA ist eine deutsche Version dieses Modells, die extra für die Jugendarbeit gemacht wurde.
Was ist eigentlich eine "Gruppenphase"?
Ein paar Dinge, die für jede Gruppe gelten:- Es braucht eine bestimmte Anzahl an Leuten, damit aus einzelnen Personen eine richtige Gruppe wird, die zusammen etwas schaffen kann
- Eine Gruppe hat gemeinsame Interessen und Ziele
- Die Gruppe merkt: Zusammen schafft man mehr als allein
- Die Mitglieder brauchen sich gegenseitig
- Jede Gruppe entwickelt eigene Regeln – manche werden ausgesprochen, andere nicht
- Gruppen bleiben nicht für immer gleich, sie verändern sich mit der Zeit
- Dabei durchlaufen sie bestimmte Phasen – wie eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen
- Trotzdem ist jede Gruppe anders und tickt ein bisschen anders
Die fünf Phasen im Kreis
Hier noch das Bild einfügen!| Nr | Phase | Worum geht´s hier? | Was macht die Leitung? |
|---|---|---|---|
| 1 | Orientierung | Alle kommen an und schauen sich erst mal um | Gibt Sicherheit und Struktur, weil das gerade sehr gefragt ist |
| 2 | Machtkampf | Es wird ausgehandelt, wer in der Gruppe welchen Platz hat | Bekommt kritische Fragen und muss klare Grenzen zeigen |
| 3 | Identität / Intimität | Die Gruppe vertraut sich, jede:r kann so sein, wie er/sie ist | Kann sich mehr zurücknehmen, die Gruppe läuft von allein |
| 4 | Differenzierung | Unterschiede zwischen den Mitgliedern werden zur Stärke | Bleibt im Hintergrund und unterstützt nur noch |
| 5 | Abschied / Ablösung | Die Gruppe löst sich auf, das fühlt sich oft komisch an | Ist wieder gefragt, um das Ende gut zu gestalten |
Die Phasen im Detail
1. Orientierung
Jetzt wird ausprobiert, wer wo steht – ganz normal, auch wenn es anstrengend sein kann:- Alle kommen an, schauen sich um und finden sich erst mal zurecht
- Jede:r sucht danach, von den anderen akzeptiert zu werden
- Die Gruppe will sich sicher fühlen
- Es wird nach klaren Regeln und einer festen Struktur gesucht
- Die Gruppe erwartet viel von dir als Leitung – du bist jetzt besonders wichtig
2. Machtkampf
Stell dir vor, du kommst in eine neue Klasse. Genau das passiert hier:- Es gibt Konkurrenz zwischen einzelnen Personen oder kleinen Grüppchen darum, wer das Sagen hat
- Es bildet sich eine Rangordnung in der Gruppe
- Du als Leitung wirst kritisch hinterfragt oder sogar angegriffen
- Es gibt mehr kritische Fragen als vorher
- Manche versuchen, die Gruppe nach ihren eigenen Vorstellungen zu ordnen
3. Identität / Intimität
Nach dem Streit wird es entspannter – die Gruppe wächst zusammen:- Die Gruppe merkt, was sie gemeinsam hat
- Unterschiede werden nicht mehr als störend, sondern als Bereicherung gesehen
- Es entsteht ein Klima, in dem man sich gegenseitig etwas gibt und auch etwas zurückbekommt
- Es fühlt sich an, als würde die Gruppe für immer so weitergehen
- Du als Leitung kannst dich jetzt stark zurücknehmen
4. Differenzierung
Die Gruppe ist inzwischen eingespielt:- Die Unterschiede zwischen den Mitgliedern werden bewusst genutzt, weil jede:r etwas anderes gut kann
- Einzelne und kleine Grüppchen übernehmen eigenständig Aufgaben
- Du als Leitung hältst dich zurück und unterstützt nur noch im Hintergrund
5. Abschied / Ablösung
Jede gute Zeit geht mal zu Ende:- Das Auseinandergehen fühlt sich unangenehm oder traurig an
- Manche tun so, als würde das Ende gar nicht kommen
- Dinge außerhalb der Gruppe (Schule, andere Hobbys) werden wieder wichtiger
- Es gibt einen Rückblick: Was war gut, was würden wir anders machen?
- Du als Leitung wirst wieder gebraucht, um dem Ende einen guten Rahmen zu geben